Wie funktionierte Krebstherapie eigentlich vor 175 Jahren? Kurzum: Meist gar nicht. Als das Klinikum Bremen-Mitte als damalige „Krankenanstalt an der Wisch“ entsteht, ist an eine fachübergreifende Onkologie in Deutschland noch lange nicht zu denken. Sie gibt es noch gar nicht. Wie Krebs entsteht, gilt bis dahin noch weltweit als großes Rätsel. Viele Jahrhunderte glaubt man an ein Ungleichgewicht der Körperflüssigkeiten (Viersäftelehre) als Ursache, das nur wieder ins Gleichgewicht gebracht werden müsste. Auch das Ziel, sichtbare Geschwülste großflächig zu entfernen, funktioniert lange Zeit nur mit einem großem Sterberisiko und ohne Betäubung unter größten Schmerzen für Patientinnen und Patienten. Doch um die Mitte des 19. Jahrhunderts gewinnt die Medizin grundlegende neue Erkenntnisse, auf denen die heutige moderne Krebstherapie aufbaut: So weist der Mediziner Johannes Peter Müller 1838 mikroskopisch nach, dass Tumore eine eigene zelluläre Struktur haben. 1858 begründet der Pathologe Rudolf Virchow dann die Zellularpathologie, nach der (Krebs-)Erkrankungen auf Störungen und Veränderungen von Körperzellen zurückzuführen sind.
„Heute können wir das Erbmaterial von Tumorzellen und deren Zusammenspiel mit deren eigenen Umgebung, das Mikromilieu sehr genau verstehen. Das war der Startschuss der modernen Krebstherapie, welcher sich durch einen Übergang von radikalen und zufälligen Behandlungen zu immer individuelleren gezielten Strategien zur Bekämpfung des Zellwachstums kennzeichnet“, sagt Prof. Maher Hanoun, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, im Klinikum Bremen-Mitte. Hanoun ist Leiter des Onkologischen Zentrums, das 2015 erstmals als solches von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert und in diesem Jahr einmal mehr als solches ausgezeichnet wurde. Im Onkologischen Zentrum, einem der größten im Nordwesten Deutschlands, arbeiten die besten und erfahrensten Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Fachbereichen zusammen. Innere Medizin, Radiologie, Strahlentherapie, Chirurgie u.v.m. suchen gemeinsam die am besten geeignete Therapie für jeden einzelnen Patienten. Denn jede Krebserkrankung ist anders. Umso wichtiger ist der umfassende Blick auf die Erkrankung. So wird in der fachübergreifenden Tumorkonferenz – als Basis des Onkologischen Zentrums – jeder Fall von Krebsexperten aus verschiedenen Bereichen besprochen. „Wir erarbeiten gemeinsam einen individuellen Therapievorschlag und stimmen diesen detailliert mit dem Patienten ab“, sagt Hanoun. Der Kampf gegen den Krebs könne nur im Team gelingen.
















