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Wenn die Haut die Farbe verliert

Gesundheit

Michael Jackson versuchte sie zu verstecken, das kanadische Model Winnie Harlow macht sie selbstbewusst zu ihrem Markenzeichen – die Rede ist von Vitiligo. Die Weißfleckenkrankheit ist, obwohl weit seltener als Neurodermitis oder Schuppenflechte, dennoch eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen weltweit. Zum Welt-Vitiligo-Tag am 25. Juni erklärt Prof. Dr. Markus Zutt, Chefarzt der Klinik für Dermatologie am Klinikum Bremen-Ost, was im Körper abläuft, wenn ganze Hautpartien ihre Farbe verlieren.

Arme mit Vitiligo-Erkrankung

Die gute Nachricht zuerst – Vitiligo ist eine relativ harmlose Hauterkrankung. Sie ist nicht ansteckend und verursacht so gut wie keine körperlichen Symptome, sie juckt nur sehr selten und schmerzt nie. Aber die sich ausbreitenden weißen Flecken verändern das Aussehen der Betroffenen zum Teil erheblich und können so zu einer großen psychischen Belastung werden. Gerade Jugendliche erleben häufig Ablehnung, Spott und Diskriminierung, ziehen sich zurück und leiden still. Dagegen kämpft das kanadische Model Winnie Harlow. Sie will Betroffene ermutigen, zu ihrer Einzigartigkeit zu stehen. Harlow ist das weltweit bekannteste Gesicht der Vitiligo – aber bei weitem nicht das einzige. „Etwa ein Prozent der Weltbevölkerung ist von der Pigmentstörung betroffen, in Deutschland sind es etwa 650.000 Menschen“, sagt Prof. Markus Zutt, Chefarzt der Dermatologie am Klinikum Bremen-Ost. Männer seien dabei etwa gleich häufig betroffen wie Frauen. 

 

 

„Rheumaerkrankung der Haut“ 

„Ich bezeichne Vitiligo als Rheumaerkrankung der Haut“, so der Dermatologe. Denn wie Rheuma oder Diabetes Typ 1 ist Vitiligo eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das fehlgesteuerte Immunsystem gegen die körpereigenen Zellen richtet. „Warum das so ist, wissen wir nicht“, sagt Zutt. Für ihn ist auffällig, dass von Vitiligo häufiger Menschen betroffen sind, die auch andere Autoimmunerkrankungen haben. Aber auch das ist wissenschaftlich noch nicht abschließend nachgewiesen. 

Bei der Vitiligo greift das körpereigene Immunsystem die Melanozyten an, also die Hautzellen, die das Pigment Melanin bilden. Das Melanin wiederum ist entscheidend für die Hautfarbe und dient dem Schutz vor UV-Strahlung. Werden die Melanozyten zerstört, können sie kein Pigment mehr bilden. So entstehen die typischen weißen Hautstellen, die sich gut sichtbar von der umgebenden Haut abheben. Die anfangs oft kleinen runden Flecken werden im Verlauf großflächiger, gehen ineinander über und können sich über den ganzen Körper ausbreiten. Besonders betroffen sind oft Gesicht, Hals, Achseln, Ellenbogen, Knie, Hände und Knöchel. Die Erkrankung entsteht meist schleichend und bleibt anfangs nicht selten unbemerkt. Zutt stellt aber fest, dass die Aufmerksamkeit inzwischen größer ist und sich die Betroffenen früher an die Fachärzte wenden. Nur die können oftmals nicht wirklich helfen. „Ganz zu Beginn, wenn feine Entzündungsprozesse in Form von Rötungen sichtbar sind, können wir manchmal den Prozess noch mit Cortison stoppen“, so Zutt, aber im Verlauf haben weder Cortison-noch Licht-Therapien die gewünschten Erfolgt gebracht. 

Bislang nur ein zugelassenes Medikament 

Das erste und bislang einzige in Deutschland zugelassene Medikament ist eine Creme mit dem Wirkstoff Ruxolitinib, ein so genannter Januskinase (JAK)-Inhibitor, der auch bei anderen Hauterkrankungen eingesetzt wird. JAK-Inhibitoren blockieren bestimmte Signalwege im Körper, die beispielsweise an Entzündungsprozessen beteiligt sind. „Dieses Präparat ist besser als alles, was wir bisher hatten“, so der Dermatologe. Es habe kaum Nebenwirklungen und zeige Erfolge bei der Repigmentierung der Haut. Aber er warnt auch vor zu viel Euphorie: „Diese Creme ist ein Marathon-Mittel. Sie beginnt oft erst nach einem Jahr überhaupt zu wirken.“ Außerdem sei sie eigentlich nur für das Gesicht zugelassen, maximal aber für 10 Prozent der Körperoberfläche. 

Markus Zutt ist zuversichtlich, dass in den nächsten Jahren neue, noch wirksamere Medikamente auf den Markt kommen. In der Entwicklung seien beispielsweise orale Substanzen, die bereits vielversprechend getestet werden. Bis es soweit ist, heißt es weiter – selbstbewusst leben mit der Einzigartigkeit. Und vor allem damit, die empfindliche Haut mit Lichtschutzfaktor 50 + vor Sonne zu schützen. Denn wo kein Melanin ist, gibt es auch keinen wirksamen körpereigenen Lichtschutz. Aber, so Zutt, Sonnenschutz 50 + gelte heute sowieso für jeden, der sich vor Hautkrebs und vorzeitiger Hautalterung schützen wolle. 

 

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