Constance Blome und Dennis Gruschka sind Oberärzte auf der Intensivstation am Klinikum Bremen-Mitte. Mit einem Teil ihrer Stellen sind sie zudem Transplantationsbeauftragte und Organspendebegleiter. Sie koordinieren gemeinsam mit den pflegerischen Transplantationsbeauftragten den gesamten Ablauf einer Organspende, organisieren gemeinsam mit offiziellen Stellen wie der Deutschen Stiftung Organtransplantation den logistischen Prozess und belgeiten Angehörige auf diesem herausfordernden Weg. Außerdem arbeiten sie bei Infoaktionen in Bremen und umzu eng mit Sonja Schäfer, der Bremer Landesbeauftragten für Organspende, zusammen.
Am 1. Juni wollen sie vor allem mit Kolleginnen und Kollegen, aber auch Patienten und Angehörigen ins Gespräch kommen. „Uns ist wichtig, dass möglichst viele Menschen sachliche Informationen bekommen, um eine Entscheidung treffen zu können und dass möglichst viele über das Thema sprechen – vor allem in der Familie“, sagt Dennis Gruschka. Die Beratungen seien immer ergebnisoffen, aber es sei wichtig, dass man bei diesem Thema eine Haltung entwickele.
„Bei der Infoaktion am Klinikum Bremen-Mitte geht es uns außerdem darum, unsere Kolleginnen und Kollegen darüber zu informieren, wie die Abläufe hier am KBM sind. Sie sind Multiplikatoren und es ist wichtig, dass sie als medizinisches Fachpersonal über das Thema Organspende Bescheid wissen“, fügt Constance Blome hinzu.
Im Anschluss an die Aktion im KBM starten die Oberärzte und die Landesbeauftragte Sonja Schäfer zur Camper-Tour durch Norddeutschland – organisiert vom Netzwerk der Transplantationsbeauftragten. Mehrere Busse sind dann eine Woche lang zwischen Bremen, Hamburg, Oldenburg, Hannover, Leer und Wilhelmshaven unterwegs – immer mit einem Ziel: Aufklären über Organspende.
Zahl der Organspender weiterhin niedrig
Statistische Erhebungen haben ergeben, dass über 80 Prozent der Bevölkerung der Organspende generell offen gegenübersteht. Dennoch ist die Zahl der tatsächlichen Spender weiterhin niedrig und steigt kaum, so dass viele Betroffene vergeblich auf ein Spenderorgan warten. „In den meisten Fällen ist der Wille des Verstorbenen bezüglich einer Organspende nicht bekannt. In diesen Fällen müssen dann die Angehörigen eine Entscheidung treffen. Und willigen oft nicht ein – meist auch aus Unsicherheit“, erklärt Constance Blome. Und genau dort setzen die Bemühungen des Teams an – sie wollen informieren, um möglichst viele fit für die Entscheidung zu machen und gleichzeitig Ängste zu nehmen. Hoffnungsfroh stimmt beide, dass jüngere Menschen oft viel offener an das Thema herangehen würden. So jedenfalls nehmen sie es unter anderem bei Schulbesuchen wahr. Ab 16 Jahren kann man in Deutschland den eigenen Willen schriftlich fixieren.
Bei ihren Besuchen und auf den Infotouren erzählen beide auch offen über den Ablauf einer Organspende von der Hirntodfeststellung über die Organentnahme, von der Begleitung der Angehörigen und dem komplexen logistischen Aufwand, der gewährleistet, dass ein Organ innerhalb von Stunden entnommen, transportiert und dem Empfänger transplantiert wird. Parallel zur Entnahme werden die Empfänger irgendwo in Deutschland oder Europa schon für den Eingriff einbestellt, ein Ärzteteam begleitet die Entnahme im Operationssaal des Klinikums Bremen-Mitte, transportiert das Organ mit eigens gecharterten Flugzeugen an die Klinik, in der der Patient bereits im OP liegt. Was viele nicht wissen – ein Verstorbener kann sechs bis acht Schwerstkranken das Leben retten, wenn gleichzeitig mehrere Organe entnommen werden. Und auch ältere Spenderinnen und Spender sind für die Empfänger überlebenswichtig. „Beispielsweise hat eine gesunde Leber eine lange Lebensdauer“, erklärt Gruschka.
Eines der sensibelsten Themen im Krankenhaus
Auch auf die nicht selten vorgetragene Befürchtung, man lasse jemanden eher sterben, der einen Organspende-Ausweis hätte, haben die beiden eine klare Antwort: „Wir nehmen diese Ängste sehr ernst und können sie auch nachvollziehen, aber sie sind tatsächlich absolut unberechtigt.“ Der Ablauf mache das unmöglich. Die Feststellung des Hirntodes bedeute, dass alle Funktionen des Gehirns vollständig und unumkehrbar erloschen seien. Dieser Zustand werde unabhängig von der Frage einer möglichen Organspende festgestellt. „Die Feststellung erfolgt nach strengen medizinischen und rechtlichen Vorgaben durch speziell qualifizierte und voneinander unabhängige Ärzte, die nicht an einer etwaigen Transplantation beteiligt sind“, erklärt Blome.
Beide sind sich bewusst, dass es sich bei dem Thema Organspende um eines der sensibelsten Themen im Krankenhaus handelt. „Darum achten wir auch sehr darauf, dass der ganze Prozess für die Angehörigen trotz der gebotenen Eile sehr persönlich und würdevoll abläuft“, sagt Dennis Gruschka. Und sehr häufig überwiege am Ende das Gefühl, dass der Tod eines geliebten Menschen am Ende doch noch zu etwas Gutem geführt habe und das helfe manchmal auch bei der Trauerarbeit.
Mehr über die Transplantationsbeauftragten finden Sie hier: https://www.gesundheitnord.de/kbm/ueber-uns/stabsstelle-transplantationsbeauftragte-/-organspendebegleitung.html














