Vergangene Woche haben sich die Hamburgerinnen und Hamburger zwar gerade erst gegen die Austragung Olympischer Spiele entschieden, nun wird die Hansestadt für einige Tage auf etwas andere Art doch zum Austragungsort eines großen internationalen Treffens. Es geht dabei nicht um Sport, sondern um Medizin. Mehr als 3.000 Notfallmedizinerinnen und -mediziner und anderen Berufsgruppen aus aller Welt kommen vom 9. bis 13. Juni zum Weltkongress der Notfallmedizin (ICEM - Internationale Conference of Emergency Medicine). Die ICEM 2026 ist der gemeinsame Kongress der International Federation for Emergency Medicine (IFEM) und der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA). In Fachvorträgen und Workshops im Hamburger Congress-Zentrum sowie im direkten Austausch im ICEM Village in der Hafencity, wo alle Teilnehmenden nach Vorbild des Olympischen Dorfs untergebracht sind, wird über aktuelle und künftige Themen in der Notfall- und Akutversorgung diskutiert.
Mittendrin bei diesem Weltkongress ist ein Bremer. Dr. Frank Wösten, Ärztlicher Direktor des Klinikums Bremen-Nord und Chefarzt der dortigen Notaufnahme, gehört zur organisatorischen Leitung des Kongresses und hat die ICEM 2026, in die auch die 21. Jahrestagung der DGINA inbegriffen ist, maßgeblich mit geplant. „Das ist eine große Ehre und große Herausforderung, die mit sehr viel Vorfreude verbunden ist“, sagt Wösten. Er erwartet spannende Diskussionen. „Es gibt mit Blick auf die Notfallmedizin der Zukunft viele hochspannende Einblicke. Wie entwickeln andere Länder eine effektive und faire Notfallversorgung? Und woran können wir uns in Deutschland orientieren? Da lohnt sich ein Blick über die Landesgrenzen“, sagt Wösten.
Denn: Die meisten Notaufnahmen in Deutschland, so Wösten, sind in den heutigen Prozessen und Strukturen häufig überlastet. Ein Problem dabei: Bei mindestens einem Drittel der Menschen, die in die Notaufnahme kommen, handelt es sich nicht um ernste, medizinische Notfälle. "Das liegt auch daran, dass viele Menschen in ihrer Sorge nicht wissen, wo sie sonst hingehen sollen. Einerseits muss man hier natürlich weiter über die Alternativen aufklären, allerdings werden wir diesen Strom auch nicht verhindern können. Deshalb kommt es auch darauf an, die eigenen Strukturen und Prozesse anzupassen“, so Wösten. Außerdem seien weltweit Klinikprozesse mitunter nicht gut auf die stationäre Versorgung von Notfallpatientinnen hin ausgerichtet, so dass Kapazitätsprobleme für die Unterbringung stationärer Notfälle nicht selten sind. Der Weg führe dabei im internationalen Vergleich weg von klassischen Notaufnahmen hin zu Integrativen Notfallzentren mit einer klareren Steuerung von weniger akuten, dringenden und lebensbedrohlichen Fällen.
Eine Entwicklung, die auch für Bremen spannend ist – sowohl für Notaufnahmen wie im Klinikum Bremen-Nord, wo heute bereits Notaufnahme und Ärztlicher Bereitschaftsdienst unter einem Dach arbeiten, als auch mit Blick auf den anstehenden Umbau von Bremens größter Notaufnahme in Bremen-Mitte im Zuge der Fusion des Klinikums Links der Weser mit dem Klinikum Bremen-Mitte. Bei diesem Teilprojekt der Fusion fungiert Wösten als Projektleiter. Nun übernimmt er für fünf Tage die Rolle des Mitorganisators des weltgrößten Notfallmediziner-Kongresses. „Wir haben den Kongress über mehrere Jahre geplant und freuen uns, dass es jetzt losgeht“, so Wösten.














