"Schlechte Kupferwerte extrem selten"
Chefarzt Prof. Thomas Duning und sein Team gehen nochmal die gesamten Blutwerte durch. Auf den ersten Blick schien damit alles in Ordnung – bis auf eine vermeintliche Kleinigkeit: Der Patient hat einen nachgewiesenen Kupfermangel. „Die Kupferwerte werden normalerweise gar nicht kontrolliert. Solche schlechten Kupferwerte sind extrem selten und haben uns dazu veranlasst, weiter auf Spurensuche zu gehen“, so Duning.
Assistenzarzt Florian Welle durchforstet die Fachliteratur und stößt dabei auf einen spannenden historischen Zusammenhang: Ein Arzt hatte um 1900 genau die Symptome des Patienten bei mehreren Arbeitern einer Zink-Mine festgestellt. Auch sie hatten mit einem zunehmend unsicher werdenden Gang und schlechter Koordination zu kämpfen. Welle forscht weiter und findet den Zusammenhang: Eine hohe Aufnahme von Zink in den Körper bewirkt, dass das Kupfer ausgeschieden wird. Dadurch kommt es zu krankmachend niedrigen Kupferwerten im Körper. Nun hatte der Patient aber natürlich nie in einer Zink-Mine gearbeitet. Dennoch sind diese historischen Fälle der Schlüssel zur Lösung des Diagnosefalls. „In der Fachliteratur findet man nämlich auch die Beschreibung sehr seltener Fälle, in denen ein markanter Übergebrauch von zinkhaltiger Haftcreme für Zahnprothesen zu einem Kupfermangel führen kann“, erklärt Klinikchef Duning. Und genau dieser Kupfermangel könne dann, wiederum in ganz seltenen Fällen, zu den Defekten der Hinterstränge im Rückenmark führen.