Die Idee hinter Ellen Reims „Geschichtenpflege“- Angebot ist einfach: Was im Leben wichtig war und ist, soll in Erinnerung bleiben. Doch die eigene Geschichte aufzuschreiben, dazu sind die Erkrankten auf der Palliativstation oft nicht mehr in der Lage. Diese Arbeit nimmt die Journalistin im Ruhestand ihnen ab. Sie führt mit den Menschen, die gerne eine Geschichte schriftlich festhalten wollen, in aller Ruhe ein Gespräch, lässt sie erzählen und zeichnet die Unterhaltung auf. Diese Aufnahme verwandelt sie anschließend in einen Text.
„Ich transkribiere die gesamte Unterhaltung von Sprache zu Text. Anschließend bearbeite ich dieses Dokument so, dass aus der mündlichen Erzählung ein gut lesbarer Text entsteht. Dabei achte ich darauf, die Wortwahl und den Erzählstil der Betroffenen zu übernehmen“, sagt Ellen Reim. Schließlich solle ihre Geschichte so authentisch wie möglich sein. Was ihr berichtet wird, darüber ist sie gegenüber Dritten zum Schweigen verpflichtet. Um das zu fixieren, gibt es eine schriftliche Einverständniserklärung, die eigens für die Palliativstation entwickelt wurde. Mit der Textfassung besucht Ellen Reim erneut die Patientin oder den Patienten. Sie liest ihnen den Text vor, nimmt auf Wunsch Veränderungen und Verbesserungen vor. Erst, wenn alles genau so formuliert ist, wie es die Betroffenen ausdrücken wollen, druckt sie die Geschichte mit Titel und Wunschbild aus und gestaltet für die Erzählenden ein geheftetes Dokument – zum Lesen und zum Weitergeben an die Familie.
„Es ist den Menschen wichtig, eine positive Bilanz zu ziehen“, hat Ellen Reim festgestellt. Das bedeute nicht, dass die Schattenseiten des Lebens verschwiegen würden – aber das Sonnige darf auch im Vordergrund stehen. Darauf weist auch die Auswahl der Titelbilder hin. Ein Mann wünschte sich den Blick auf die Insel Neuwerk bei Sonnenuntergang. Diesen Anblick hatte er bei Urlauben stets sehr genossen. Beliebt sind auch Fotos, die an glückliche Momente erinnern, oder Blumenbilder.
Ellen Reim ist froh über ihr Ehrenamt. „Ich las vor Jahren über ein ähnliches Angebot in Hamburg und wusste gleich, dass das genau das ist, was ich machen möchte.“ Als die ausgebildete Journalistin 2023 in die Freistellungsphase der Altersteilzeit wechselte und nicht mehr täglich in der Zeitungsredaktion arbeitete, fragte sie bei Chefärztin Dr. Katja Fischer nach, ob Interesse an dem Angebot bestehe. Die Reaktion war prompt und positiv.
Um für die Arbeit vor Ort gerüstet zu sein, absolvierte Ellen Reim eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin, finanziert vom Förderverein der Palliativstation. Nun ist Ellen Reim regelmäßig als „Geschichtenpflegerin“ auf der Palliativstation tätig. „Ich bin sehr dankbar für die Aufnahme, die ich auf der Station und von den Patientinnen und Patienten gefunden habe. Ich hoffe, ich kann noch lange einen Beitrag dazu leisten, dass der Aufenthalt auf der Station als so angenehm wie möglich empfunden wird“, sagt sie.














